Viele Marktteilnehmer haben den Eindruck, dass der Immobilienmarkt im Frühjahr deutlich aktiver ist, während er im Winter eher stagniert. Doch wie fundiert ist diese Wahrnehmung? Lassen sich tatsächlich saisonale Trends nachweisen – und wenn ja, welche Bedeutung haben sie für Immobilienbewertungen?

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Saisonale Dynamik im Marktgeschehen

• Frühjahr & Sommer:

In diesen Monaten steigt die Zahl der Inserate und Besichtigungen. Private Umzüge konzentrieren sich häufig auf diese Zeit, und auch institutionelle Investoren ziehen Transaktionen gerne vor die Sommerpause.

• Herbst:

Das Marktgeschehen bleibt solide, Käufer agieren jedoch selektiver. Strategien zum Jahresabschluss rücken stärker in den Fokus.

• Winter:

Die Aktivität geht zurück. Transaktionen dauern länger, die Vermarktungszeiten steigen. Käufer, die dennoch aktiv bleiben, haben oft bessere Verhandlungsspielräume.

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Datenlage: Was Statistiken belegen – und was nicht

📊 Transaktionsvolumen:

Analysen von vdp, JLL oder BNP Paribas RE zeigen regelmäßig eine höhere Aktivität im 2. und 3. Quartal.

📊 Preisentwicklung:

Preisindizes und Bodenrichtwerte folgen dagegen keinem saisonalen Muster. Sie basieren auf umfangreichen Transaktionsdaten und amtlichen Verfahren, nicht auf kurzfristigen Marktschwankungen.

📊 Externe Faktoren:

Zinsniveau, Neubautätigkeit oder politische Rahmenbedingungen überlagern saisonale Effekte und wirken meist deutlich stärker auf Preise und Nachfrage.

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Bedeutung für die Immobilienbewertung

Für Gutachter sind saisonale Unterschiede zwar relevant für die Marktbeobachtung, jedoch nicht für die Methodik der Wertermittlung:

• Vermarktungsdauern: Saisonale Schwankungen können Hinweise für Liquiditätsüberlegungen liefern.

• Bewertungsstichtage: Diese sollten unabhängig von saisonalen Aktivitätsmustern gewählt werden, um Verzerrungen zu vermeiden.

• Marktverständnis: Saisonalität ist ein hilfreicher Kontextfaktor, ersetzt aber keine fundierte Datenbasis.

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Fazit: Saisonalität als Ergänzung, nicht als Bewertungsfaktor

Saisonale Trends existieren und prägen vor allem das Marktgeschehen, nicht aber die Bewertungskennzahlen. Wer diese Unterschiede versteht, kann Immobilienmärkte präziser beobachten – ohne methodisch von den Standards der Immobilienbewertung abzuweichen.