Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Fahrländer Partner Raumentwicklung (FPRE) wurde deutlich, dass der Schweizer Immobilienmarkt weit mehr ist als ein regionaler Sonderfall. Die Veranstaltung bot nicht nur einen Rückblick auf zwei Jahrzehnte Marktentwicklung, sondern auch fundierte Einblicke in strukturelle Dynamiken, die für Immobilienbewertungsexperten zunehmend an Relevanz gewinnen.
Rund 200 geladene Gäste aus Wirtschaft, Finanzwesen und Immobilienbranche folgten der Einladung. Auch die reVex Immobilienbewertung GmbH war vertreten – durch Geschäftsführer Thomas Lucke, der den fachlichen Austausch vor Ort begleitete.
Marktentwicklung: Bevölkerungswachstum trifft Angebotsknappheit
Ein zentrales Zitat aus der Eröffnungsrede verdeutlichte die Dimension der Entwicklungen:
In den letzten 20 Jahren ist die Schweizer Bevölkerung um rund 1,7 Millionen Menschen gewachsen. Im selben Zeitraum haben sich die Immobilienpreise etwa verdoppelt, während die Bodenpreise je nach Region um das Drei- bis Fünffache gestiegen sind.
Diese Zahlen sind Ausdruck tiefgreifender struktureller Engpässe. Das Bevölkerungswachstum trifft auf ein stark reguliertes Angebotsumfeld, begrenzte Flächenverfügbarkeit und hohe planerische Hürden. Für die Immobilienbewertung bedeutet dies: Preisentwicklungen lassen sich nicht isoliert betrachten, sondern müssen konsequent in ihrem strukturellen Kontext analysiert werden.

Digitalisierung als früher Erfolgsfaktor in der Marktanalyse
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war der frühe und konsequente Fokus von Fahrländer Partner Raumentwicklung auf digitale Modelle und datenbasierte Marktanalysen. Bereits lange bevor Digitalisierung zum Branchenstandard wurde, setzte FPRE auf systematische Auswertungen, Szenarienmodelle und transparente Marktindikatoren.
Für Bewertungsexperten ist dieser Ansatz besonders relevant. Denn belastbare Wertermittlungen entstehen zunehmend aus der Kombination von Marktdaten, strukturellen Angebotsfaktoren und langfristigen Nachfrageprognosen – nicht allein aus kurzfristigen Vergleichspreisen.
Regulierung, Weltwirtschaft und Wohnungsmarkt im Diskurs
In der anschließenden Paneldiskussion mit Dr. Stefan Fahrländer und Thomas Jordan, dem bis 2024 amtierenden Präsidenten des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, standen drei Themen im Fokus:
- die Einbettung des Immobilienmarktes in globale wirtschaftliche Entwicklungen,
- die Besonderheiten des stark regulierten Schweizer Wohnungsmarktes,
- sowie die Auswirkungen hoher Regulierungs- und Planungshürden auf Angebot, Preise und Marktstabilität.
Die Diskussion machte deutlich, dass Regulierung zwar Stabilität schaffen kann, gleichzeitig jedoch strukturelle Engpässe verstetigt und Preisdynamiken langfristig verschärft. Ein Aspekt, der auch für andere europäische Märkte zunehmend relevant wird.

Fachlicher Austausch und langfristige Perspektiven
Der Ausklang der Veranstaltung bot Raum für vertiefende Gespräche mit Marktteilnehmern aus unterschiedlichen Disziplinen. Im Mittelpunkt standen weniger kurzfristige Markteinschätzungen, sondern vielmehr analytische und langfristige Perspektiven auf Immobilienmärkte.
Gerade für Immobilienbewertungsexperten liegt hierin ein wesentlicher Mehrwert: Der Schweizer Markt zeigt exemplarisch, wie Demografie, Regulierung, Bodenknappheit und Kapitalströme über Jahre hinweg Wertniveaus prägen – und damit als Frühindikator für strukturelle Entwicklungen in anderen Märkten dienen können.